Hoch über der Ahr, dem reißenden Wildbach durch das Ahrntal, erhebt sich auf einem steilen Felssporn die mächtige Burg von Taufers. Das Stammschloss der Herren von Taufers ist wohl eine der markantesten und besterhaltenen Burgen im...
moreHoch über der Ahr, dem reißenden Wildbach durch das Ahrntal, erhebt sich auf einem steilen Felssporn die mächtige Burg von Taufers. Das Stammschloss der Herren von Taufers ist wohl eine der markantesten und besterhaltenen Burgen im Alpenraum. Neben anderen kunsthistorischen Kleinodien beherbergt es eine Rüstkammer, deren breitgefächertes Objektspektrum sich über fünf Jahrhunderte erstreckt.
Die vorhandenen Schutz- und Trutzwaffen sind von deutlich unterschiedlicher Qualität. Sie reichen etwa von einem fein gearbeiteten Bruststück eines Schott-Sonnenberg Harnisches vom Anfang des 16. Jahrhunderts, bis zu einem wackeligen Kompositdolch, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus originalen und zeitgenössischen Elementen etwas ungeschickt zusammengestückelt wurde.
Aufgrund der großen Zahl, der Verschiedenartigkeit und der zeitlichen Streuung der Objekte bietet es sich an, sie in den Kontext einer Entwicklungsgeschichte der Schutz- und Trutzwaffen vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg einzubetten.
Aus dem Spätmittelalter haben sich, mit Ausnahme des Schott-Sonnenberg Brustpanzers, zwar keine Objekte erhalten, allerdings existiert noch ein Inventar aus dem Jahre 1505. Dieses Schriftstück erfasst, neben anderen Objekten, die Art und Anzahl der Schutz- und Trutzwaffen, die die Burg zu dieser Zeit beherbergte. Aus diesem Grund und auch weil die Burg in dieser Phase stark erweitert wurde, liegt ein gewisser Schwerpunkt auf der Epoche des Spätmittelalters und insbesondere Kaiser Maximilians I. (1459-1519).
Das Ziel dieser Arbeit soll dabei nicht eine reine historische Abhandlung militärischer Objekte mit Verweisen auf die Tauferer Waffenkammer sein. Vielmehr liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Entwicklung der Herstellungsprozesse über einen Zeitraum von 500 Jahren.
So unterscheidet sich etwa der Stahl eines Säbels aus dem 16. Jahrhundert deutlich von einer Waffe des Ersten Weltkriegs. Die traditionelle Handarbeit des Mittelalters wandelte sich zur maschinellen Produktion in großen Industriebetrieben. Der Einsatz von Maschinen ermöglichte eine Rationalisierung der Arbeitsprozesse und damit eine immense Produktivitätssteigerung. Benötigte ein gut ausgebildeter Handwerker Anfang des 16. Jahrhunderts sicher mehrere Wochen um einen einzelnen Helm oder einen Säbel herzustellen, wurden diese Objekte im Ersten Weltkrieg zu Millionen von angelernten Arbeitskräften produziert.
Eine besondere Schwierigkeit in der Interpretation der Tauferer Waffenkammer stellt die Epoche des Historismus (Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts) dar. Durch das wachsende historische Bewusstsein stieg der Bedarf an mittelalterlichen Objekten für private Sammlungen deutlich an. Da die Zahl der Originale aber beschränkt war, fertigten viele Handwerker Waffen nach historischem Vorbild an. Manche dieser Neukreationen kann man aufgrund ihrer extravaganten Formen unschwer als solche erkennen. Einige Gebilde sind aber mit derartiger Kunstfertigkeit hergestellt, dass nur eine genaue Begutachtung der verwendeten Herstellungstechnik eine Neuinterpretation erkennen lässt.
Da bisher noch keine Aufarbeitung der Rüstkammer vorlag, wurden die Inventarnummern von mir anhand der momentanen Aufstellung der Objekte vergeben. Einige Gegenstände haben dabei keine Nummer erhalten, da sie offensichtlich nicht Teil der Waffenkammer sind, sondern Ausstellungsstücke der Burg. Im Anhang (Kapitel 5.3.3.) sind diese Objekte dennoch erfasst, um ein umfassendes Bild zu liefern.
Die Rüstkammer beinhaltet neben den genauer behandelten Objekten zusätzlich noch 42 Gewehre von teils erlesener Qualität. Diese Waffen konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht näher behandelt werden. Sie wurden aber grob dokumentiert und in den Katalog aufgenommen.